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Die linksventrikuläre Non-compaction Kardiomyopathie (LVNC/NCCM) ist eine insgesamt relativ seltene Erkrankung die familiär gehäuft auftritt. Die Häufigkeit des Auftretens in der Normalbevölkerung (Inzidenz) wird mit 1 bis 2 pro 1000 angegeben. Das klinische Bild der LVNC/NCCM von Herzschwäche (systolischer Herzinsuffizienz), Herzrhythmusstörungen und arteriellen Embolien (z.B. Schlaganfall o.ä.) gekennzeichnet. Die Erkrankung wird in der Regel erst im 3. oder 4. Lebensjahrzehnt der Betroffenen erkannt, sie kann jedoch auch bereits in deutlich früherem Alter symptomatisch werden. Bei inkompletter Penetranz sind jedoch nicht alle Merkmalsträger von der Erkrankung in gleichem Ausmaß betroffen.

Ursächlich für die LVNC/NCCM ist eine embryonale Verdichtungsstörung der Herzmuskulatur welche mit familiärer Häufung in der 5. bis 8. Schwangerschaftswoche auftritt. Die Folge ist eine schwammartige (spongiöse) Struktur des Herzmuskels welche im weiter fortgeschrittenen Stadium in den bildgebenden Diagnose-Verfahren wie der Echokardiographie oder der kardialen Magnetressonanz-Tomographie (MRT) besonders ins Auge springt. Sie stört die Kraftentfaltung des Herzmuskels (Kontraktilität) und erzeugt so eine Störung der Pumpfunktion des Herzens (Herzinsuffizienz). Sie begünstigt daneben das Auftreten von lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen.

 

LVNC 1

Abb.1: Strukurelle Unterschiede zwschen normaler Herzmuskulatur (A - links) und Herzmuskulatur bei „ Non-compaction-Kardiomyopathie (LVNC/NCCM) (B - rechts). Adaptiert von yildontanju.tr.gg

 

Asymptomatische Patienten haben in der Regel eine gute Prognose, während symptomatische Patienten ein hohes Risiko tragen, aufgrund des auftretender ernster Herzrhythmusstörungen früh zu versterben. Sehr häufig ist sogar der plötzliche Herztod eines Patienten das erste Symptom der Erkrankung. Beim Auftreten erster Symptome wird daher meist zur präventiven Implantation eines automatischen implantierbaren Defibrillators (AID), der solche kritischen Herzrhytmusstörungen erkennen und beenden kann, geraten.

Die LVNC/NCCM ist eine vererbbare Erkrankung also eine Erkrankung, bei welcher genetische Mutationen im Erbgut eine zentrale Bedeutung zukommt. Eine erbliche (hereditäre) Ursache wird wie o.a. bei ca. 40% der Patienten gefunden, auch spontane genetische Mutationen sind häufig. Bisher sind mehr als 20 solcher Mutationen in 7 betroffenen Genen für die LVNC/NCCM als ursächlich beschrieben worden. Relevante Krankheitsgene sind: MYBCP3, MYH7, TAZ, ZASP, DTNA und das Taffazin-Gen. Sie alle rufen einen ähnlichen klinischen Phänotyp hervor, den der LVNC/NCCM.

Der Erbgang der LVNC oder NCCM ist dabei i.d.R. autosomal dominant, d.h. die Anlage wird an die Hälfte der Nachkommen weitervererbt. Diese Nachkommen erkranken ebenfalls an der LVNC/NCCM. Daneben existiert ein seltenerer X-chromosomaler Erbgang bei dem die Erkrankung bei den Nachkommen nur dann auftritt, wenn beide Elternteile jeweils die gleiche Anlage (Genstörung) an ihre Kinder weitergeben wobei dann regelhaft lediglich ein Viertel der Kinder solcher Eltern erkrankt, drei Viertel der Kinder die genetische Mutation aber an ihre Nachkommen weitervererben können. Eine solche Konstellation tritt meist nur in Familien auf, bei denen zwischen den Eltern ein hoher Verwandschaftsgrad besteht.

Der Nachweis einer definierten genetischen Ursache der LVNC/NCCM (Nachweis einer spezifischen Mutation) hat für die Klärung der Weitervererbung der Krankheitsanlage eine herausgehobene Bedeutung. Sie identifiziert die Patienten bei denen regelmäßige kardiologische Kontrollen erfolgen sollen und bei denen bei Auftreten der ersten klinischen Anzeichen (Rhythmusstörungen) frühzeitig eine präventive Behandlung [z.B. Implantation eines automatischen implantierbaren Defibrillator (AID)] erfolgen sollte. Darüber hinaus erlaubt die Genetik auch die Identifikation der Nachkommen eines (Index-) Patienten (ebenfalls ca. 50%) welche keine Erbanlagen für eine LVNC aufweisen und bei denen daher das Auftreten einer Erkrankung sehr unwahrscheinlich ist. Sofern keine Aussage zur vererbbaren Ursache getroffen werden kann [das betrifft ca. 60% der (Index-) Patienten], sollten alle Nachkommen einer betroffenen Person sich regelmäßigen und engmaschigen kardiologischen Kontrollen unterziehen. Das aktuelle Positionspapier der DGK (Deutschen Gesellschaft für Kardiologie) empfiehlt die Gendiagnostik bei Non Compaction Kardiomyopathie (LNCM/NCCM) mit einer Klasse IIa Empfehlung. In anderen Worten: eine genetische Analgentestung (Heterozygotendiagnostik) wird bei allen Patienten mit LVCM/NCCM immer dann von der DGK empfohlen, wenn diese Testung bei den möglichen Betroffenen die Etablierung der Diagnose zum Ziel hat um damit gleichzeitig die Notwendigkeit einer frühzeitigen Implantation eines automatischen implantierbaren Defibtrillator (AID) abzuklären oder wenn die Gendiagnostik nach Nachweis einer spezifischen genetischen Mutation zur Klärung der Vererbung der Erkrankung auf die Kinder des (Index-) Patienten (Klärung welches der Kinder ebenfalls betroffen ist) durchgeführt wird.

 

Betroffene Gene:

Das DTNA Gen kodiert für das Dystrobrevin alpha Protein welches Bestandteil des Dystrophin-assoziierten Proteinkomplexes ist. Seine Funktion ist die Stabilisierung der

Das MYBCP3 Gen kodiert für das kardiale Myosin-bindende Protein C (MyBP-C). Dieses Protein findet sich in den Sarkomeren gebunden an die dicken Filamente und diese vor dem Abbau schützen. Darüberhinaus reguliert das MyBP-C die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskelfilamente.

Das MYH7 Gen kodiert kodiert für die schwere ß-Kette des Myosin (myosin heavy chain ß oder MHC-ß). Dieses Protein findet sich sowohl in der Herz als auch in der Skelettmuskulatur und stellt die wichtigste Einzelkomponente der dicken Filamente der Herzmuskulatur dar.

Das TAZ1 Gen kodiert fr das Protein Tafazzin. Taffazin wir sowohl im Skelett- als auch im Herzmuskel hoch exprimiert und hat die Funktion einer Phasphatidyl-lysophospholipid-Transacylase. welches an der inneren Membran der Mitochondrien lokalisiert ist und für die Cardiolipin-Synthese eine wichtige Rolle spielt. Taffazin hat Bedeutung für die Funktion der Mitaochondrien

Das ZASP Gen kodiert für das Z-Disk assoziierte Protein. Mutationen in diesem Protein rufen eine Desintegration der Z-Disk mit Störung der Funktion der Myofibrillen hervor.

 

Verantwortlicher Autor: D. C. Gulba

 

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