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Die Spezialisten für Humangenetik. Das Kompetenzzentrum für Medizinische Genetik.

Fette sind unabdingbarer Bestandteil unserer Nahrung. Sie werden über den Darm als Chylomikronen aufgenommen und in der Leber dann so verstoffwechselt (chemisch verändert), dass Sie als LDL wieder an das Blut abgegeben und schließlich von den Zellen aufgenommen werden können. Dort dienen sie als Energiereserve. Cholesterin und Phospholipide sind darüber hinaus notwendige Bestandteile der Wand der Zellen.

 

Mona Lisa

                                           Abb. 1: Bildnis der Mona Lisa, Ölgemälde von Leonardo da Vinci (*15. Apr 1452  -  +2. Mai 1519); Sammlung Louvre, Paris, Frankreich. Das weltberühmte Bild zeigt die Florentinerin Lisa del Giocondo. Die am linken Auge ein Xantelasma und an der rechten Hand ein Xanthom  aufweist. Xantelasmsen und Xanthome sind Hautzeichen einer familiären Hypercholesterinämie.

 

Unsere Zellen können nur eine bestimmte Menge der Blut-Fette aufnehmen, diese Menge ist im Wesentlichen in unserem Erbgut vorherbestimmt. Ist diese vorbestimmte Fettkonzentration im Blut überschritten, können die Zellen die zusätzlichen Blutfettmengen nicht mehr aufnehmen. Diese überschüssigen Fette gelangen dann entweder in die Leber und führen zur Leberverfettung, in Haut und Strecksehnen wo sie als Xanthelasmen (in der Nähe der Augen) oder Xanthome sichtbar werden oder in die Gefäßwand wo sie als kleine Fetttröpfchen in die Gefäßwand eingelagert werden.

In der Gefäßwand verursachen solche Fetteinlagerung arteriosklerotische (lipidreiche) Plaques (arteriosklerotischer Wandveränderungen) und rufen dort eine chronische Entzündungsreaktion hervor. Diese kann einerseits reaktiv zur Abscheidung von Bindegewebe mit Ausbildung einer stabilen und schützenden fibrösen Kappe führen (dicke fibröse Kappe). Ein Zuviel an Entzündung kann aber andererseits auch zur Auflösung von Bindegewebe und damit zu einer Schwächung der fibrösen Kappe führen. Damit verbunden ist eine erhöhte Verletzlichkeit der arteriosklerotischen Läsion (dünne fibröse Kappe). Die Folge einer geschwächten fibrösen Kappe ist, dass, bedingt durch die fortgesetzte Bewegung der Gefäße z.B. des Herzens, die schützende Kappe einreißt. Kaum ist eine Plaque akut eingerissen (Wandverletzung) und damit eine Gefäßwunde im Inneren des Gefäßes entstanden, beginnt auch schon die Abheilung dieser Wunde indem zunächst auf der Wunde ein Blutgerinnsel abgeschieden wird. Dieses Blutgerinnsel ragt nun in die Gefäßöffnung hinein woraufhin das Blutgerinnsels die Blutströmung zusätzlich behindern kann. Hierin liegt die Begründung, dass das Fortschreiten der Arteriosklerose nicht gleichmäßig und kontinuierlich sondern schubweise erfolgt.

Unter besonders ungünstigen Bedingungen können diese neu entstandenen Blutgerinnsel aber auch so stark weiterwachsen, dass sie das Gefäß vollständig verschließen. In der Folge stoppt der Blutfluss, die Ernährung der angeschlossenen Gewebe versiegt und das Gewebe stirbt schließlich ab. Die Folge sind – je nach dem betroffenen Gefäßgebiet – akute Herzinfarkte, periphere Gefäßverschlüssen mit der Ausbildung von Nekrosen oder das Auftreten von Schlaganfällen. Je höher die Blutfette sind und je länger (Anzahl der Jahre) diese auf die Gefäße einwirken, desto früher und desto häufiger treten solche Ereignisse auf. Bei besonders schweren Blutfetterhöhungen können Herzinfarkte bereits im Kindes- oder Jugendlichenalter auftreten.

Die Blutfetterhöhungen können vielfältige Ursachen haben. Ein Zuviel an fettreicher Nahrung kann dies ebenso bewirken wie eine Blutzucker-, Nieren- oder Lebererkrankung. Insbesondere der Diabetes mellitus Typ 2 und das damit einhergehende „Metabolische Syndrom“ führen zur massiven Zunahme der Fette im Blut - man spricht von einer „Hyperlipidämie“. Die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 2 hat somit regelhaft auch die Diagnose einer Hyper-/Dyslipidämie zur Folge.

Eine Vielzahl der Patienten mit Hyper-/Dyslipidämie sind wie o.a. aufgrund ihrer Erbanlagen nicht in der Lage sind, die Blutfette in einem ausreichenden Maße zu verstoffwechseln. Von solchen erblichen Stoffwechselstörungen ist schätzungsweise jeder 250igste Mensch betroffen (Inzidenz ca. 4:1000). Die Hyperlipidämie stellen damit die häufigsten im Erbgut vorherbestimmt (hereditäre) Erkrankungen (Erbkrankheit) des Menschen dar. Sie bewirkt dass 9 von 10 der betroffene Männer frühzeitig (d.h. noch vor dem 60igsten Lebensjahr) einen Herzinfarkt erleiden. Im Durchschnitt verkürzt sich die Lebenserwartung der Betroffenen um ca. 20 Jahre (auf ca. 60 Lebensjahre [durchschnittliche Lebenserwartung Stand 2015 in Deutschland: Männer 77,4 Jahre, Frauen 82,8 Jahre).

Eine Vielzahl der zugrundeliegenden erblichen Hyperlipidämie-Anlagen können heute durch moderne Genanalyse frühzeitig erkannt werden. Die häufigste dieser Störungen ist eine zu geringe Zahl an LDL-Rezeptoren. LDL-Rezeptoren sind die Eiweiße, die sich auf der Zelloberfläche befinden und über welche die Blutfette in die Zelle aufgenommen werden können. Andere Patienten leiden daran, dass die LDL-Fette von ihren Rezeptoren nicht erkannt werden und deshalb nicht in die Zelle aufgenommen werden können (Fehler im Apolipoprotein B) oder dass die LDL-Rezeptoren zu schnell abgebaut werden und dann nicht mehr für die Blutfettaufnahme zur Verfügung stehen (Überfunktion der Protein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9 – PCSK-9). Diese Veränderungen sind in unserer Erbmasse (Genom) niedergelegt, wir haben sie von unseren Eltern ererbt und vererben diese krankmachenden Gene(und damit die entsprechende Fettstoffwechselstörung) an durchschnittlich die Hälfte ihrer Kinder weiter. Man spricht von einem autosomal dominanten Erbgang.

Wir kennen heute insgesamt 21 Gene die solche Fettstoffwechselstörungen verursachen können (monogenetische Erkrankungen; Tab. 1). Fünf dieser Gene sind für > 90% der Störungen des Cholesterinstoffwechsels verantwortlich während die übrigen Genvarianten nur sehr selten im Genom (der Erbmasse) der Betroffenen gefunden werden. Teilweise spielen sie in nur sehr kleinen, in einem engen Territorium lebenden Bevölkerungsgruppen die verwandtschaftlich eng verbunden sind. Die Suche nach diesen seltenen genetischen Störungen kann daher auf diese Regionen beschränkt werden.

 

Erkrankung

Ursächliche Gene

Häufigkeit

Störungen vorwiegend des LDL-Stoffwechsels

   

·          Autosomal dominante Hypercholesterinämie (ADH)

LDL-R, Apo B, PCSK 9

1 : 500

·          A-ß-Lipoproteinämie

MTP

selten

·          Hypo-ß-Lipoproteinämie

Apo B

selten

·          Familiäre Phytosterolämie

ABC G5; ABC G8

selten

·          Lp(a)-Erhöhung (> 40mg/dl)

Apo (a)

1:5 bis 1:10

Störung des Stoffwechsels der Remnants

   

·          Hyperlipoproteinämie Typ III

Apo E

1:2000

·          Heptische Lipasemangel

HL

selten

Störung der triglyceridreichen Lipoproteine

   

·          Heriditäre Chylomikronämie

LPL, Apo CII, Apo A5, GPIHBP 1

1:1 Mio

·          Heriditäre Hypertriglyceridämie

Unbekannt

1:50

·          Kombinierte Hyperlipoproteinämie (FKHL)

Unbekannt

1:100

Störungen des HDL-Stoffwechsels

   

·          Apo 1 A-Mangel

Apo 1A

selten

·          Tangier-Krankheit/ heriditärer HDL-Mangel

ABCA 1

selten

·          LCAT (Lectin-Cholesterin-Transferase) Mangel

LCAT

selten

·          CETP (Cholesterin-Transferprotein) Mangel

CETP

selten

·          Niemann-Pick Typ A, Niemann-Pick Typ B (Sphingomyelinlipidose)

SMDP

selten

·          Niemann-Pick Typ C (Sphingomyelinlipidose)

NPC 1, NPC2

selten

Tab.1: Monogene Fettstoffwechselstörungen und die betroffenen Gene -  Modifiziert nach Grammer TB et al.: Angeborene Störungen im Lipoproteinstoffwechsel – Fachinformation für Ärzte 2014

Bei der Untersuchungen auf das Vorliegen einer vererbbaren Fettstoffwechselstörung ist es sinnvoll, sich auf die „häufigen“ 5 Genmutationen (rot) zu beschränken. Die übrigen 16 bekannten Gene sollten nur bei entsprechender Klinik und auf begründeten Verdacht hin untersucht werden.

Die genetischen Veränderungen der familiären Hypertriglyceridämie (einer Fettstoffwechselstörung der nicht eine Störung des Cholesterinsoffwechsels zugrunde liegt), sind dagegen bis heute noch weitgehend unbekannt.

Neben dem Arterioskleroserisiko, welches durch die zirkulierenden Blutfette verursacht wird, besteht durch das Apolipoprotein (a) [das sogenannte Lp(a)] ein zusätzliches LDL unabhängiges Arterioskleroserisiko. Lp(a) ist ein dem LDL Cholesterin verwandtes Lipoprotein. Die Höhe des Lp(a) im Blut unterliegt wie die des Cholesterins der eigenständigen Regulation durch die Gene.

Lp(a) enthält neben Cholesterin zusätzliche Eiweißstrukturen, die dem Plasminogen verwandt sind (dem wichtigsten Eiweiß der Fibrinolyse, dem System welches einmal entstandene Blutgerinnsel wieder auflösen kann), und behindert durch Wettbewerb um (und Verdrängung von) die Bindungsstellen des Plasminogen am Blutgerinnsel die Fibrinolyse (d.h. die Wiederauflösung der Blutgerinnsel). Dadurch wirken diese genetisch bestimmten, familiär vererbten besonderen Blutfettpartikel als zusätzliche, vom LDL unabhängige Arteriosklerose-Risikofaktoren und verstärken (potenzieren) so das Arterioskleroserisiko der Patienten mit Hyperlipidämie.

 

Kriterium:

 

Punkte

A.     Familie:

   

Verwandter 1. Grades mit frühzeitiger Arteriosklerose [Herzinfarkt, Schaufensterkrankheit (pAVK), Schlaganfall < 60 Jahre] oder schwerer Fettstoffwechselstörung (LDL > 190 mg/dl; > 5 mmol/dl)

ja

1

·          Verwandter ersten Grades mit Hautzeichen der Fettstoffechselstörung (Xanthome oder Arcus lipoides am Auge)

ja

2

·          Kinder < 18 Jahre mit LDL > 190 mg/dl (>5mmol/dl)

   

B.     Eigene Vorgeschichte:

   

·          Frühzeitige Erkrankung der Herzkranzgefäße (< 60 Jahre) z.B. Herzinfarkt, Ballondilatation

ja

2

·          Frühzeitige Schaufensterkrankheit (< 60 Jahre)

ja

1

·          Frühzeitiger Schlaganfall (< 60 Jahre)

ja

1

C.     Physikalische Untersuchung

   

·          Sehnenxanthome

ja

6

·          Arcus lipoides (< 45 Jahre)

Ja

4

D.     Blutfettwerte

   

·          LDL > 328 mg/dl

Ja

8

·          LDL 250 – 328 mg/dl

Ja

5

·          LDL 193 – 259 mg/dl

Ja

3

·          LDL 155 – 193 mg/dl

Ja

1

Tab. 2: FH Score zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer familiären Hypercholesterinämie 

Auswertung:  < 3 Punkte: familiäre Fettstoffwechselstörung unwahrscheinlich; 3 bis 5 Punkte: familiäre Fettstoffwechselstörung möglich, bei entsprechender Klinik ggf. genetische Testung empfehlenswert; 6 und mehr Punkte: familiäre Fettwechselstörung wahrscheinlich, bei dem Patienten sollte eine genetische Testung erfolgen.

Modifiziert nach Grammer TB et al.: Angeborene Störungen im Lipoproteinstoffwechsel – Fachinformation für Ärzte 2014

 

Da die o.a. Fettstoffwechselstörungen auch als Folge von Fehlernährung oder im Rahmen anderer Erkrankungen (z.B. nephrotisches Syndrom, Diabetes mellitus s.o.) auftreten können sollte bei Patienten mit Vermehrung der Blutfette, bevor an die Durchführung einer genetischen Testung gedacht wird, eine sorgfältige Vorauswahl der Patienten erfolgen. Diese Vorauswahl sollte auch deshalb erfolgen, um die Zahl der durch die Testung identifizierten Merkmalsträger zu erhöhen (siehe Tab. 2: Prätestwahrscheinlichkeit). Die Vorauswahl basiert auf einer kleinen Zahl von Kriterien und kann so sehr einfach getroffen werden. Solche Kriterien sind: z.B. beim Patienten oder in der nahen Verwandtschaft (Verwandtschaft I. Grades) gehäuft auftretende Herzinfarkte oder Hautveränderungen (min. 2 Verwandte), LDL-Cholesterinwerte > 190 mg/dl (> 5 mmol/l) und der bereits erfolgte Nachweis einer erblichen Störung bei einem nahen Verwandten. Ist aufgrund dieser Kriterien eine Stoffwechselerkrankung möglich (3 – 5 Punkte) und die Klinik legt ebenfalls eine Erkrankung nahe oder ist die Stoffwechselerkrankung wahrscheinlich (6 und mehr Punkte) – auch ohne entsprechende Klinik – sollte eine genetische Diagnostik erfolgen. Auch bei Patienten bei denen trotz guter Medikamentenadhärenz und intensivierter Therapie mit einem HMG-Co A-Inhibitor (Statine) die LDL-Zielwerte nicht erreicht werden besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer familiären Störung des Lipidstoffwechsels.

Der Nachweis einer erblichen (genetisch determinierten) Fettstoffwechselstörung hat für den Patienten auch bei grenzwertigen Lipidbefunden und bei fehlender klinischer Symptomatik therapeutische Konsequenzen. Unabhängig von dem klinischen Bild sollte bei allen Patienten mit Nachweis einer genetischen Störung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln das LDL-Cholesterin auf < 100mg (bei Patienten mit bestehender Arteriosklerose sogar auf < 70mg) gesenkt und die LDL-Cholesterinspiegel danach engmaschig überwacht werden. Dies gilt auch für Jugendliche und junge Erwachsene bei denen bereits beim erstmaligen Überschreiten der Zielwerte (< 100mg/dl) mit der Therapie begonnen werden soll.

Auch der differenzielle Einsatz der unterschiedlichen Fettsenker z.B. HMG-Co-A-Reduktase-Hemmer (Statine z.B. Simvastatin oder Atorvastatin), Fibrate (Clofibrat, Bezafibrat), Cholesterin-Wiederaufnahmehemmer (Austauscherharze oder Ezetimib) oder PCSK-9 Hemmer (Alirocicumab, Evolocumab) kann ganz wesentlich durch den zugrunde liegenden Gendefekt geleitet werden. So sind PCSK-9 Hemmer insbesondere bei Patienten mit Defekten im LDL-Gen oder bei Patienten mit Überfunktion der PCSK-9 Convertase (gain of function-Mutation) erfolgreich. Fibrate sind dagegen insbesondere bei Hypertriglyceridämie (Erhöhung der „Nichtcholesterin“-Fette) wirksam.

Anders als bei den klassischen Hypercholesterin- und Hypertriglyceridämien (klassische Fettstoffwechselstörungen) unterliegt die Erhöhung des Lp(a) nahezu ausschließlich der genteischen Kontrolle. In anderen Worten: erhöhte Lp(a) Spiegel sind bei den Patienten durch Medikamente (Fibrate, PCSK9-Hemmer) und/oder diätetische Maßnahmen nur in sehr geringem Ausmaß beeinflussbar. Bei Patienten mit stark erhöhten Lp(a)-Spiegeln sollten daher zunächst alle übrigen Arteriosklerose-Risikofaktoren (LDL-Cholesterin, arterielle Hypertonie, Inaktivität, Rauchen etc.) intensiv kontrolliert werden das heist bspw. das LDL sollte bei diesen Patienten besonders konsequent d.h. auf < 70mg/dl gesenkt werden. Sofern auch nach konsequenter Risikointervention erneute kardiovaskuläre Ereignisse auftreten d.h. eine aktive Arteriosklerose Progression persistieren, kann das Lp(a) im Blut ggf. durch aufwändige und regelmäßige Blutwäschen (die sogenannte Lipid-Apherese) aus dem Blut entfernt werden. Dies kommt z.B. bei Patienten Lp(a)-Erhöhungen auf > 60mg/dl und fortgesetzten kardiovaskuären Ereignissen in Betracht.

 

Hyperlipoproteinämie

Art der Störung

Genveränderung

Vererbungsgang

HLP Typ I

Hyperchylomikronämie

LPL; Apo CII, Apo A5, GPIHP 1

autosomal dominant

HLP Typ IIa

LDL Erhöhung u/o Lp(a) Erhöhung

LDL-R, PCSK 9, Apo (a)

autosomal dominant

HLP Typ IIb

LDL und Triglyceride erhöht

Apo B

autosomal dominant

HLP Typ III

Erhöhung der Remnants

Apo E

autosomal rezessiv

(zusätzliche Faktoren)

HLP Typ IV

Hypertriglyceridämie

unbekannt

unklar

HLP Typ V

Kombinierte endo-exogene Hypertriglyceridämie

unbekannt

Unklar (multigenetisch?)

Tab. 3: Einteilung der Fettstoffwechselstörungen nach Fredrickson: Die Klassifikation ist weiterhin zur Einteilung und Abgrenzung der verschiedenen Fettstoffwechselstörungen hervorragend geeignete Klassifikation. Aus rein praktischen Erwägungen (therapeutische Konsequenzen) hat sich in der Praxis heute jedoch eine dreiteilige Klassifikation in 1. Hypercholesterinämie, 2. Hypertriglyceridämie und 3. Gemischte Hypercholestrinämie und Hypertriglyceridämie durchgesetzt.

 

Die frühzeitige und konsequente Therapie mit modernen Fettsenkern vermeidet die vorzeitig auftretenden arteriosklerotischen Gefäßschäden und verlängert so das Leben der Patienten, sodass sich diese Patienten bei konsequenter Behandlung regelhaft einer nahezu normale Lebenserwartung erfreuen können. Es ist für diese Patienten von herausragender Bedeutung, dass die Erkrankung schon im Kindesalter erkannt und spätestens ab der Pubertät (im Kindesalter und beim Jugendlichen können die Blutfettspiegel noch normal sein, sie steigen dann während der Pubertät kontinuierlich an) konsequent behandelt wird. Da Fettstoffwechselstörungen nicht mit unangenehmen Symptomen einhergehen und diese die Patienten im normalen Alltag auch nicht behindern, werden die betroffenen Patienten i.d.R. erst erkannt, wenn das schädigende Erstereignis (z.B. ein Herzinfarkt) bereits eingetreten ist.

Der Nachweis spezifischer genetischer Veränderungen (Mutationen) bei einem betroffenen Patienten ermöglicht eine spezifische und individualisierte präventive Behandlung sowie die Empfehlung von Verhaltensmaßnahmen. Durch die Genetik wird teilweise auch die spezifische (Medikamenten-) Therapie beeinflusst. Darüber hinaus erlaubt die Gendiagnostik die Identifikation der Nachkommen welche von der Erkrankung ebenfalls betroffen sind. Das aktuelle Positionspapier der DGK (Deutschen Gesellschaft für Kardiologie) empfiehlt die Gendiagnostik bei familiärer Hypercholesterinämie mit einer Klasse I Empfehlung. Dies bedeutet das eine genetische Anlagentestung (Heterozygotendiagnostik) wird immer dann empfohlen, wenn sich daraus eine klinisch-therapeutische Konsequenz ergibt oder die genetische Testung zur Klärung einer Überträgerschaft dient. Die Europäische Leitlinie zum Management der Dyslipidämie empfiehlt die regelmäßige genetische Testung bei familiärer Hypercholesterinämie insbesondere auch bei grenzwertige LDL-Plasma-Konzentration sowie bei Vorliegen einer Apo E-Hypercholesterinämie. Darüber hinaus empfiehlt die Europäische-Leitlinie von 2016 bei allen Patienten mit schwerer Hyperlipiämie die regelhafte molekulare Testung der Gene des LDL-Rezeptors (LDLR), des Apolipoprotein B (apoB) und der Proteinkonvertase vom Subtilisin/Kexin-Typ (PCSK-9). Sie empfiehlt diese Testung aus Gründen der verbesserten Medikamentenauswahl zum Management der Hyperlipidämie. Sie empfiehlt die genetische Testung aber auch (und nicht zuletzt) zur Verbesserung der Therapie-Adhärenz und Compliance der Betroffenen.

Die Dunkelziffer der von einer familiären Hyperlipidämie Betroffenen ist außerordentlich hoch, man schätzt, dass heute die molekulare (genetischen) Ursache der erblichen Hyperlipidämie erst bei < 2% der davon tatsächlich betroffenen Patienten erkannt und bestimmt ist sodass aus diesem Wissen therapeutische Konsequenzen gezogen werden können. Da die klinischen Konsequenzen für Patienten mit schwerer Hyperlipidämie wie Nachkommen erheblich sein können, sollte nach den Empfehlungen der Europäischen Leitlinie immer bei ausreichend hoher Prätestwahrscheinlichkeit eine genetische Testung erfolgen.

 

Betroffene Gene:

Das Apo (a) Gen kodiert das Lipoprotein(a) [Lp(a)]. Das Lp(a) stellt eine eigene unabhängige Klasse der LDL-Partikel dar.  Mittels epidemiologischer und genetischer Studien konnte gezeigt werden, dass  Lp(a) einen vom LDL unabhängigen Risikofaktor der Arteriosklerotischen Erkrankung darstellt und vom LDL unabhängig die Inzidenz der Koronarkrankheit ebenso wie das des Schlaganfalls erhöht.

Das Apo B Gen kodiert das Apolipoprotein B (ApoB). Apo B ist das wichtigste Apolipoprotein der Chylomikrone der VLDL und der LDL-Partikel und die den Cholesterintransport im wässrigen Milieu des Blutes und der Körperflüssigkeiten bewirken  Apo B ist für die Bildung der Chylomikronen, VLDL- und LDL-Partikel essentiell.

Das Apo E Gen kodiert das  Apolipoprotein E (ApoE). Apo E ist ein Fett bindendes Eiweiß und ist wichtiger Bestandteil der Chylomikronen und der IDL (Remnants). Apo E ist wichtig für den Abbau (Katabolismus) der triglyceridreichen Lipoproteine. In peripheren Geweben vermittelt das ApoE den Cholesterinmetabolismus im zentralen Nervensystem über den ApoE Rezeptor den Cholesterintransport u den Neuronen. ApoE is das wichtigste Molekül für den Cholesterintransport im Gehirn (es wird eine Beteiligung an der Entstehung der Alzheimerschen Erkrankung vermutet)

Das LDL-R Gen kodiert den Low-Density Lipoprotein (LDL) Receptor (LDL-R).  Der LDL-R befindet sich auf der Zelloberfläche, erkennt das Apo B welches in den Phospholipiden der LDL-Partikel enthalten ist und vermittelt darüber die  Endozytose cholesterinreicher LDL-Partikel. Der LDL-Rezeptor erkennt aber auch das apo E der Chylomikonenen und der VLDL-Remnants (IDL).

Das PCSK-9 Gen kodiert für das PCSK9-Protein (Proteinkonvertase vom Subtilysin/Kexin-Typ 9). PCSK-9  ist eine Proteinkonvertase, vermindert die Anzahl von LDL-Rezeptoren an der Zellmembran der Leberzellen sodass die LDL-Partikel nur noch vermindert in die Zell aufgenommen (endozytiert)werden können und erhöht so die Konzentration von LDL-Cholesterin im Blut. Mutationen des PCSK9-Gens stellen die dritthäufigste Ursache der Hypercholesterinämie bei Patienten mit autosomal dominanter Hypercholesterinämie (ADH) dar.

 

Verantwortlicher Autor: d. C. Gulba

 

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